| Bitte warten! |
Geduldiger Taxifahrer wartet schon 24 Jahre auf Konzession “Da Ihr Antrag zurzeit noch geprüft wird, kann ich noch keinen abschließenden Bescheid erteilen. Ich bitte Sie daher um etwas Geduld.” Diesen Wortlaut werden wohl viele Antragsteller auf eine Taxikonzession auswendig kennen. Der EXPRESS aus Bonn berichtet nun über den Fall von Edmund Theisen, der seit 24 Jahren in der Warteschleife steckt. In der Zwischenzeit hat es eine Menge Personen der Zeitgeschichte dahingerafft, nicht aber seinen Antrag - die Irrungen und Wirrungen im Zusammenhang werden penibel aufgezählt. (dis) Von DETLEV SCHMIDT Bonn – Wir schreiben das Jahr 1979. Karl Carstens wird Bundespräsident, Ajatollah Khomeini setzt sich im Iran durch, und Margaret Thatcher wird erster weiblicher Regierungschef in London. Am 6. April dieses Jahres wird in der Bonner Stadtverwaltung eine Akte angelegt, die eine Fülle von Beamten und Behörden beschäftigen wird. Eine umfangreiche Akte, die jahrelang verschwindet, sehr merkwürdige Vermerke trägt und ein Schlaglicht auf die Bürokratie wirft. Edmund Theisen hat etwas ganz Normales getan. Er hat in Bonn eine Taxi-Konzession beantragt. Davon gibt es etwa 300, und eine davon, so meint Theisen, könne für seinen Lebensunterhalt genügen. Und er kriegt auch eine Antwort. Der Antrag sei bei der Stadtverwaltung ordnungsgemäß eingegangen und werde in die Bonner Vormerkliste für die Erteilung von Kraftdroschkengenehmigungen aufgenommen. Und er wird um Geduld gebeten. Die hat der Bonner auch, weil er sein Geld als Fahrer verdient, sich möglichst schnell aber selbstständig machen will. Zehn Jahre wartet er geduldig, dann schreibt Theisen erneut an die Stadt. Und er bekommt wieder eine Antwort. Am 15. 2. 1989 schreibt ihm Frau Stork vom Ordnungsamt: „Ihr Antrag wird hier zurzeit an erster Stelle geführt.“ Und weiter: „Da Ihr Antrag zurzeit noch geprüft wird, kann ich noch keinen abschließenden Bescheid erteilen. Ich bitte Sie daher um etwas Geduld.“ Wohlgemerkt: Die Prüfung durch die Stadt dauert nun schon zehn Jahre. Edmund Theisen hat notgedrungen Geduld. Denn inzwischen verdient er sein Geld auch als Buchautor, schreibt als Rudi der Taxler, über die Erlebnisse der Zunft. Allerdings nicht in Bonn. Da hat er keine. Rudi der Taxler schreibt über Duisburger Geschichten. Und er weiß auch: Wenn man Beamte bei der Arbeit drängt, werden sie grantig und bösartig. Derweil ist die Akte auf Wanderschaft gegangen. Sie landete beim Regierungspräsidenten in Köln. Dort war sie neun Jahre. Ohne dass irgend jemand einen Finger gerührt hätte, das Schicksal dieses Konzessionsantrages zu entscheiden. Erst jetzt tauchte sie beim RP wieder auf. Stadtsprecherin Elke Palm: „Warum die Akte neun Jahre dort war, wissen wir nicht.“ Auch beim RP weiß man das nicht. Mittlerweile sind 24 Jahre vergangen. Margaret Thatcher ist wie Karl Carstens längst nicht mehr im Amt, der Ajatollah auch nicht. Nur das Bonner Ordnungsamt ist wieder um einen Vorgang reicher. Um den sich neue Sachbearbeiter kümmern müssen. Aber eine Konzession hat Edmund Theisen deswegen immer noch nicht. Er bekommt jetzt ein neues Schreiben der Stadt. Inhalt: Die Frage, ob er seinen Antrag weiter aufrechterhalten will. Wir ahnen schon: Edmund Theisen muss weiter Geduld aufbringen. Und Bücher schreiben. |